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Russland hat mehr als ein Gesicht

Waren Sie schon einmal in Russland? Wenn nicht, dann haben Sie etwas verpasst. Es ist ein schönes Land. Wir nehmen an einer Deutsch-Russischen-Begegnung teil. Das Projektthema lautet „Russia smiles“. Die Russen lachen nur sehr selten auf der Straße. In den großen Städten sind die Leute sehr beschäftigt. In Russland sehen die meisten Leute aus, als wären sie traurig oder böse. Dasha aus Russland, die mit uns an der Begegnung teilnimmt, erklärt uns, dass die Russen in der Öffentlichkeit nur selten Gefühle zeigen. Wir wollen mehr über die russische Kultur erfahren und machen uns auf, um zusammen mit den russischen Teilnehmern Straßeninterviews durchzuführen. Einen Teil der Gespräche führen wir in Jaroslavl durch, der Partnerstadt Kassels, den anderen Teil in der Kleinstadt Nerehta. Sie hat etwa 15.000 Einwohner und ist etwa 50 km von Jaroslavl entfernt.

In Nerehta regnet es den ganzen Tag und es ist sehr kalt. Auf der Straße sieht man viele streunende Hunde, die aber nicht aggressiv sind. Die Menschen sehen müde aus, doch wenn man mit ihnen spricht, sind sie offen und freundlich. Es ist Sonntag, also haben die Menschen Zeit, sich mit uns zu unterhalten. Auf der Straße sind riesige Schlaglöscher, randvoll mit Wasser. Gullis sind nirgendwo zu sehen und so entstehen riesige Pfützen, die aussehen wie kleine Teiche. Die meisten Menschen, die wir treffen, sehen keine gute Zukunft für Nerehta. Sie hoffen, dass ihre Kinder in größere Stadt ziehen werden. Das denkt auch eine Lehrerin, die wir für ein Interview vor einem Teppichgeschäft treffen. Sie erzählt uns von einem Geschichtsprojekt an ihrer Schule. Sie und ihre Kinder nehmen daran teil, um mehr über das Leben in früheren Zeiten in Nerehta zu erfahren. Sie sagt, sie habe den Eindruck, dass sich Nerehta von einer lebendigen Stadt zu einem langweiligen Kaff entwickelte. Am nächsten Tag ist es kälter geworden. Nur wenige Minuten nach unserer Ankunft in Jaroslavl fängt es an zu schneien. Wir treffen eine junge Frau mit ihrem Baby. Sie ist sehr freundlich und erzählt uns, dass sie im Moment nicht arbeitet und viel Zeit mit ihrem Kind verbringt. Vor der Geburt ihres Kindes war sie als Ökologin tätig. Sie erklärt uns, dass die ökologische Situation in Jaroslawl sehr schlecht ist. Allerdings hofft sie, dass es in den nächsten Jahren besser werde. Auf unserem Weg durch die Stadt sehen wir wunderschön herausgeputzte herrschaftliche Gebäude, Statuen und Kirchen. Jaroslawl hat sehr großzügig angelegte Straßenzüge und öffentliche Plätze, auch eine prachtvolle Uferpromenade entlang der Wolga. Wir nutzen sie für einen Spaziergang und lassen die Begegnungen der letzten beiden Tage noch einmal Revue passieren, um ein Fazit zu ziehen. Uns sind sowohl Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten zwischen Nerehta und Jaroslavl im Gedächtnis geblieben. Russland hat mehr als ein Gesicht.

Luca, Lukas